Psychologische Phänomene erklärt: Cocktailparty-Effekt


Du nippst an deinem Drink, der Raum ist voller Menschen, die Musik vermischt sich mit dem Stimmgewirr und bauscht die Geräuschkulisse weiter auf. Dein Gegenüber sagt etwas mit einem Schmunzeln im Gesicht. Du lächelst und stimmst zu.

In solchen Situationen fällt es dir (bis jetzt) vermutlich gar nicht auf, aber das Phänomen, dass du alles verstehst ist beeindruckend. Und hat einen Namen: den Cocktailparty-Effekt

Was ist der Cocktailparty-Effekt?

Der Cocktailparty-Effekt ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Menschen in der Lage sind, ein bestimmtes Gespräch unter vielen anderen herauszufiltern und sich darauf zu konzentrieren, selbst in lauten Situationen. Psychologen haben diesen Effekt eingehend untersucht und herausgefunden, dass er in der Regel darauf zurückzuführen ist, dass wir uns selektiv auf nützliche Geräuschquellen konzentrieren, während wir diejenigen ignorieren, die nicht von Nutzen sind.

Wie funktioniert er?

Im Kern funktioniert der Cocktailparty-Effekt so, dass wir uns auf bestimmte akustische Signale wie Tonhöhe oder Lautstärke konzentrieren und so zwischen Gesprächen unterscheiden können, auch wenn beide Parteien gleichzeitig sprechen. Auf diese Weise können wir oft bestimmte Wörter oder Sätze aus anderen Gesprächen heraushören, ohne zu vergessen, was wir selbst gesagt haben. Einige Forscher vermuten, dass diese Fähigkeit in der Evolutionsbiologie verwurzelt ist (da sie es unseren Vorfahren ermöglicht hat, auch in Gefahrensituationen effektiv zu kommunizieren).

Andere Theorien besagen, dass dieses Verhalten auch nicht immer absichtlich ist, denn Menschen können auch entfernte Gespräche hören, wenn sie aufmerksam sind – was darauf hindeutet, dass Geräusche eher unterbewusst herausgefiltert werden. Wenn sich zum Beispiel jemand in einem Restaurant mit einer Gruppe von Freunden unterhält, kann er trotzdem hören, was an den Tischen in der Nähe gesprochen wird, obwohl er aktiv versucht, nicht zuzuhören.

Beispiele

Ein klassisches Beispiel für den Cocktailparty-Effekt war der Zweite Weltkrieg, als Piloten Befehle über ihre Funkgeräte auch dann verstehen konnten, wenn sie von anderen Flugzeugen oder Schiffen umgeben waren, die in ähnlicher Lautstärke sendeten – so konnten sie ihre Anweisungen schnell und effizient ausführen.

Ein weiteres Beispiel aus dem Alltag: Wenn jemand in der Nähe anderer Menschen einen Anruf entgegennehmen muss, kann er sich in der Regel auf die Person in der Leitung konzentrieren, ohne abgelenkt zu werden.

Vorteile und Risiken

Wenn du verstehst, wie der Cocktailparty-Effekt funktioniert, kann das die Kommunikation in großen Gruppen verbessern, da die Menschen ihre eigene Umgebung besser wahrnehmen und in der Lage sind wichtige Informationen aufzunehmen und unwichtige zu ignorieren.

Wenn man dieses Phänomen jedoch nicht erkennt, kann es dazu führen, dass man falschen bzw. irrelvanten Informationen Aufmerksamkeit schenkt, weil man nicht in der Lage ist, zwischen mehreren Geräuschquellen zu unterscheiden. Ich zum Beispiel scheine nicht allzu gut darin zu sein mich in lauten Umgebungen auf die richtige, relevante Geräuschquelle zu konzentrieren. Es gelingt mir zwar meistens, ist aber sehr anstrengend für mich.

Wie sieht es bei dir aus? Fällt es dir leicht Gesprächen in lauten Umgebungen zu folgen?

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