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Alan Watts: Der Teufelskreis der Sorge und das Monkey Mind

Der Philosoph und Redner Alan Watts war einer der führender Vermittler zwischen östlicher und westlicher Philosophie. Seine Werke finden noch heute großen Anklang, da seine Ausdrucksweise den Einstieg besonders für Philosophie-Beginner leicht macht. Diese Passage einer seiner Vorlesungen beschäftigt sich mit dem Konzept dem Teufelskreis der Sorge und wie wir ihm entkommen.

Watts‘ beschreibt die Sorge als als potentiell gefährlich, da Menschen die Tendenz haben tiefer und tiefer in sie abzurutschen. In seinen Werken beschreibt er das als „worrying about worry“, zu dt. sich über Sorgen zu sorgen. Als Flucht aus diesem Gedankengefängnis nennt der Philosoph Akzeptanz: man solle den Zustand akzeptieren und der Geist wird sich beruhigen.

Hier das Video, des Monologs. Ich empfehle es dir anzuschauen, bevor wir uns genauer damit beschäftigen, was er damit genau meinte (wenn du kein Englisch verstehst überspringe das Video einfach):

Übersetzung: Der Teufelskreis der Sorge

Betrachten wir also zunächst einmal, was ein Geist ist, der sich in einem Teufelskreis befindet.
Nun, eines der offensichtlichsten Beispiele, das wir alle kennen, ist das Phänomen der Sorge.

In diesem Monolog geht Alan Watts auf die Sorge und speziell den Teufelskreis der Sorge ein und die Probleme die einhergehen.

Definition: Sorge
bedrückendes Gefühl der Unruhe, durch eine unangenehme und/oder gefahrvolle Situation hervorgerufen

Das Phänomen verdeutlicht er Anhand eines Beispiels:

Der Arzt sagt dir, dass du dich einer Operation unterziehen musst. Und das hat zur Folge, dass sich jeder automatisch Sorgen macht.
Aber da die Sorgen dir den Appetit und den Schlaf rauben, ist das nicht gut für dich. Aber du kannst nicht aufhören, dir Sorgen zu machen und deshalb machst du dir zusätzlich Sorgen, dass du dir Sorgen machst. Und weil das völlig absurd ist und du wütend auf dich selbst bist, weil du es tust, machst du dir auch noch Sorgen, weil du dir Sorgen machst.

Das ist ein Teufelskreis.

Kannst du deinem Geist also erlauben, ruhig zu sein? Ist das nicht schwierig? Denn der Verstand scheint wie ein Affe zu sein, der ständig auf und ab springt und plappert.

Es ist nicht sonderlich überraschen das Watts den Vergleich mit einem Affen zieht. Im Zen-Buddhismus wird Meditation oft Anhand des Monkey Mind erklärt. Hierbei wird der unruhige, von Gedanken geplagte, Geist mit als Affe versinnbildlicht, den man nicht versuchen soll zu unterdrücken, sondern stattdessen zu beschäftigen (du findest hier eine 2-minütige Erklärung des Mönchs Yongey Mingyur Rinpoche).

Diese Parallelen ziehen sich weiter durch den Monolog. Beispielsweise in der folgenden Aussage:

Wenn du einmal gelernt hast zu denken, kannst du nicht mehr aufhören. Und sehr viele Menschen widmen ihr Leben der Beschäftigung ihres Verstandes und fühlen sich in der Stille äußerst unwohl.

Wenn du allein bist, sagt niemand etwas, es gibt nichts zu tun, es gibt nur dieses Grübeln, diesen Mangel an Ablenkung.
„Ich bin mit mir allein und will von mir selbst wegkommen, ich will immer von mir selbst wegkommen. Deshalb gehe ich ins Kino, deshalb gehe ich in die Keksläden,
deshalb gehe ich den Mädchen nach oder betrinke mich oder was auch immer. Ich will nicht mit mir selbst zusammen sein. Ich fühle mich seltsam.

Warum also willst du vor dir selbst weglaufen? Was ist daran so schlimm?
Warum willst du das vergessen? Warum willst du du selbst werden?
Weil du süchtig nach Gedanken bist. Das ist eine Droge, eine sehr gefährliche Droge.

Zwanghaftes Denken, immer weiter und weiter und weiter.
Es ist eine Gewohnheit.

Der Grund wieso also viele Leute es derart schwer haben mit sich selbst allein zu sein ist, dass sie nie gelernt haben ihr Monkey Mind zu beschäftigen und so innere Ruhe zu erlangen.

„Es ist also schwierig, mit dieser Aktivität aufzuhören.
Und du musst wirklich damit aufhören, wenn du gesund sein willst.

Denn wenn ich die ganze Zeit rede, höre ich nicht, was die anderen zu sagen haben.
Dann habe ich am Ende nichts mehr, worüber ich reden kann, außer meinem eigenen Gerede.
Genauso verhält es sich, wenn ich die ganze Zeit denke, dann habe ich nichts zum Nachdenken außer meinen Gedanken.
Um also etwas zum Nachdenken zu haben, musst du manchmal einfach aufhören zu denken.

Aber wie machst du das?

Die erste Regel lautet: Versuche es nicht.
Denn wenn du das tust, bist du wie jemand, der versucht, raues Wasser mit einem Bügeleisen glatt zu machen.
Dadurch wird es nur aufgewühlt.

So wie ein schlammiger, aufgewühlter Teich sich selbst beruhigt, wenn man ihn in Ruhe lässt, musst du wissen, wie du deinen Geist in Ruhe lassen kannst.

Er wird sich von selbst beruhigen.“

Meine Gedanken

Ich hatte lange Zeit extreme Probleme mit dem Chaos meiner Gedanken. In extremen Momenten überschlugen sich die Stimmen in meinem Kopf buchstäblich und alles was ich empfand war Unruhe. Kein besonders schöner Zustand.

Vielleicht kennst du das von dir auch. Ob weniger oder gleich stark, du hast vermutlich das Bedürfnis etwas an deiner Situation zu verändern. Und ich kann dich nur ermutigen:

Mit hat es sehr viel innere Ruhe gebracht zu lernen, wie ich mit meinen Gedanken umzugehen habe. Es klappt natürlich nicht immer perfekt, aber es wird immer besser – und gut tut es immer. Probier es aus 🙂


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