Kopfhörer der Fluch der Moderne? (Was wir oft nicht bemerken)


Etwa vor 6 Monaten habe ich aufgehört meine Kopfhörer zu benutzen. Der Grund, oder besser gesagt die Motivation, für dieses Unterfangen war, dass ich mehr Kontakt zu meiner Umwelt haben wollte. Wer kennt es schließlich nicht, man zieht sich Schuhe und Jacke an, steckt sich die Kopfhörer ins Ohr und verlässt das Haus. Was so alltäglich klingt kam mir irgendwann plötzlich etwas merkwürdig vor. Natürlich verstehe ich das Argument, dass es angenehm ist, seine eigene Musik oder einen Podcast zu hören. Doch was ist so schlimm daran, sich seinen eigenen Gedanken zu widmen, den Vögeln im Park zuzuhören oder einfach mal die Stille zu genießen?

Ein weitere Anreiz die Kopfhörer zuhause zu lassen war, dass ich der Meinung bin, dass Kopfhörer uns als Menschen weiter voneinander distanzieren. Jeder lebt in seiner eigenen kleinen Welt und das bloße tragen der Kopfhörer signalisiert eine Ablehnung der gesamten Geschehnisse um einen herum. Nicht umsonst sieht man im Internet häufig Memes deren Inhalt sich darauf bezieht, dass Leute sogar ausgeschalteten Kopfhörer in ihre Ohren stecken, nur um weniger sozialen Geschehnissen beiwohnen zu müssen.

Als ich mich vor einem halben Jahr dazu entschied die Kopfhörer in meiner Schublade staubfangen zu lassen, war mir nicht bewusst worauf ich mich einließ. Witziger Weise habe ich mich erst letztens mit den potenziellen Schäden von Kopfhörern auseinandergesetzt. Wusstest du beispielsweise, dass nach nur einer Stunde des Tragens von Kopfhörern die Bakterien in deinem Ohr um das Elffache zugenommen haben? Ein weiterer Fakt den ich erst bei Nachforschungen für diesen Artikel gefunden habe ist, dass auch das Hören von Musik bei niedriger Lautstärke irreparable Nervenschäden im Ohr verursachen können.

Die 60/60 Regel

Experten empfehlen die sogenannte 60/60-Regel laut welcher man Kopfhörer nicht Länger als 60 Minuten und nicht mit mehr als 60% der Lautstärke benutzen sollte. Darüber hinaus wird empfohlen keine Kopfhörer zu benutzen, welche in das Ohr eingeführt werden, sondern welche zu nutzen die auf die Ohren aufgesetzt werden. Quelle: www.nydailynews.com und www.sciencedaily.com

Laut Schätzungen der WHO können bis 2050 rund 2,5 Milliarden Menschen, also ein Viertel der Weltbevölkerung, Höreinschränkungen entwickeln. Nicht sonderlich überraschend ist, dass bei Naturvölkern Höreinschränkungen selbst im Alter kaum gegeben sind. Das heißt, dass die Probleme der Altersschwerhörigkeit nicht auf das Alter sondern auf die Umwelt zurück zu führen ist und somit falsch betitelt ist. Quelle: Zeit Online

Doch genug der Schwarzmalerei, schließlich habe ich meine Kopfhörer nicht wegen der gesundheitlichen Faktoren in der Schublade gelassen. Ich tat es um ein bisschen mehr Leben in mein Leben zu kriegen. Mein Fazit nach einem halben Jahr ist, dass ich es auch weiter so beibehalten werde. Der tägliche Weg zur Arbeit und zurück, was sich auf etwa 45 Minuten verläuft, jegliche Erledigung sowie Zugfahrten und was es sonst noch so gibt, werden auch weiterhin mit nackten Ohren getätigt.

Das Alltägliche bietet so deutlich weniger Ablenkung und als Folge dessen mehr Zeit über das erlebte nachzudenken. Es hilft einem sich besser zu verstehen, beziehungsweise gibt es einem die Chance sich selber besser zu verstehen, da man nicht Permanent durch Musik, Podcasts oder Hörbücher abgelenkt wird.

Da ich in meinem Leben eine Vielzahl an Umstellungen zur persönlichen Entwicklung tätige, ist es schwierig die Vorzüge des Kopfhörer Verzichts isoliert auszumachen. Meiner Meinung nach, ist aber eine allgemeine Reduzierung von Stress, besonders auf der Arbeit, Folge des Verzichts. Schließlich habe ich morgens so schon 30-45 Minuten in denen ich über den Tag nachdenken und meine Ziele für den Tag richten kann, in der ich sonst von Musik abgelenkt worden wäre.

Ein weiterer klarer Vorteil ohne dauerhafte Beschallung ist, dass wenn man dann Musik hört, sie deutlich mehr schätzt. So wie man ein Bier am Freitag Abend mehr schätzt, wenn man die ganze Woche auf Bier verzichtet hat, so ist es deutlich zufriedenstellender Musik zu hören wenn man nach dem Arbeiten nach hause kommt.

Ich hoffe ich konnte dir meine Sicht der Dinge in diesem Artikel gut schildern. Möglicherweise habe ich dir ja auch einen Anreiz gegeben, es mal selbst auszuprobieren eine Weile auf Kopfhörer zu verzichten. Oder falls du ganz anderer Meinung bist dann lass es uns doch in den Kommentaren wissen.

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