Die Dinge insgesamt betrachten: M. Musashi über Wahrnehmung


Es gab sicher Situationen in denen dir entscheidende Dinge entgangen waren und der Ausgang nicht so ideal war, wie er rückblickend betrachtet hätte sein können. Genau um derartiges zu verhindern, hat der japanische Rōnin folgende Kernaussage, in seine Lehren aufgenommen:

Lerne die Situation in der du dich befindest, insgesamt zu betrachten.

– Miyamoto Musashi

Beispielsweise geht Musashi in seinen Lehren immer wieder darauf ein, dass für den Sieg im Kampf entscheidend ist, nicht krampfhaft auf eine bestimmte Sache zu starren. Stattdessen muss der Krieger stets seinen Blick unangestrengt auf dem gesamten Geschehen ruhen lassen. Nur so könne man alles wahrnehmen und auf jede Aktion des Kontrahenten reagieren, so Musashi (beispielsweise im „Gorin no Sho“ im Buch des Wassers sowie im Buch des Windes).

Wie man erlernt die Dinge insgesamt zu betrachten

Es ist nicht leicht den Überblick über eine gesamte Situation zu behalten, dessen ist sich auch Miyamoto Musashi bewusst gewesen.

Er erklärt deshalb, dass nur wenn man etwas richtig beherrscht, es nicht mehr notwendig ist, alles Einzelne zu beobachten. Es ist also, elementar sich in den Dingen, die für den eigenen Weg entscheidend sind, zu üben. Diese Grunderwartung zieht sich durch seine gesamte Lehre und spiegelt die japanische Hingabe für das Erlernen wieder.

Im Heiho (der Strategie für Krieger) ist das Erlangen dieser gesamtheitlichen Übersicht einer Situation ein hohes Ziel, dass im sogenannten „Blick auf das Herz“ gipfelt. Mit diesem durchdringenden Blick auf den Geist werden dem Krieger Schwachpunkte seines Gegners offenbar. Dies funktioniere nur, wenn man sich nicht ablenken lässt, so heißt es. Ist der Überblick verloren hält Verwirrung Einzug und führt zur Niederlage.

Es ist nicht verwunderlich, dass ein Samurai sein ganzes Leben darauf ausrichtet die notwendigen Fertigkeiten zu erlangen. Hierfür werden nicht nur Abläufe im Training wieder und wieder durchgespielt, sondern auch in realen Situationen. Durch die erlangte Erfahrung wird die wahre Natur der Dinge offenbar.

Es ist oft von einer notwendigen Unaufgeregtheit die Rede in Musashi’s Lehren. Nur ein ruhiger Geist könne, die Dinge unvoreingenommen betrachten und so verhindern sie falsch einzuschätzen.

Das also sind die beiden Komponenten, die mit dizipliniertem Training und völliger Hingabe letztlich lehren, die Gesamtheit der Dinge zu sehen.

Weiter setzt die Betrachtung der Gesamtheit der Dinge eine weitere fundamentale Lehre voraus: du musst die Dinge akzeptieren, wie sie sind. Nur so kannst deren wahren Kern erkennen. Falls über Musashi’s Ansichten zur Akzeptanz erfahren willst, findest du hier meinen Artikel zu diesem Thema.

Übertragung Musashi’s Lehre auf die heutige Welt

Der Nutzen und auch die Anwendung für unsere heutige und speziell die westliche Welt ist bei Miyamoto Musashi’s Lehren nicht immer offensichtlich.

In erster Linie lehrte Musashi Krieger und insbesondere deren Schwertkampf. Dennoch sind die Prinzipien übertragbar auf nahezu jede Situation.

Beispielsweise kann das Feindbild, dass in der eigentliche Lehre ein anderer Krieger ist, auf die zu bewältigende Aufgabe übertragen werden.

Es ist also diese Aufgabe, die es gesamtheitlich zu betrachten gilt.

Statt auf eine oder wenige Facetten fokussiert zu sein, hilft es einen weniger engen Blickwinkel zu haben um potentielle andere Faktoren mit einbeziehen zu können.

Das verschiedene Erkenntnisse mit sich bringen:

Gibt es etwas, dass…

  • du für deinen Vorteil nutzen kannst
  • dir zum Nachteil gereichen könnte
  • für den weiteren Fortgang der Geschehnisse nicht relevant ist

Du kannst dich zum Beispiel bei einem Schlichtungsversuch mit einem verärgerten Kunden darauf versteifen, ihn schnellstmöglich beschwichtigen zu wollen. Das ist zwar letztlich das Ziel, aber solltest du nur darauf bedacht sein, könnte dir entgehen wieso der Kunde eigentlich wütend ist – und damit meine ich nicht den offensichtlichen Grund, sondern die Ebenen darunter. Diese könnten dir beispielsweise nur dann auffallen, wenn du den Kunden zu Wort kommen und seine Sicht der Dinge schildern lässt.

Das Zitat über die Betrachtung der Gesamtheit der Dinge, hat übrigens im deutschsprachigen Raum ein bekanntes Equivalent:

„Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.“

– Christoph Martin Wieland

Der Denker und Dichter deutete im 18ten Jahrhundert also auf den selben Umstand hin: verlierst du dich in Details, wirst du das Große und Ganze nicht erkennen können.


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