Marcus Aurelius über Perspektive und Wahrheit


Der Gedanke daran was Wahrheit ist, hat mich schon immer fasziniert. Und damit geht es mir selbstverständlich nicht alleine so: Etliche große Denker haben sich mit dem Gedanken beschäftigt, was Wahrheit ist, wie sie von Perspektive abhängt und wie sie durch Meinung beeinflusst wird. Einer davon war der römische Kaiser und Philosoph Marcus Aurelius.

Das folgende Zitat ist eine der ältesten Überlieferungen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt und wir werden es in diesem Artikel genauer besprechen um aufzuzeigen, was genau Marc Aurel (wie der Stoiker auch oft genannt wird).

„Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.“

Marcus Aurelius

Beschäftigen wir uns zu Beginn einmal mit der ersten Hälfte des Zitates: „Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache.“
Häufig vergisst man, dass andere Leute auch persönliche Meinungen haben und dass, auch wenn sie Objektiv über etwas berichten, immer ihre eigene Meinung mit in die Aussage einfließen lassen.

Häufig, wenn wir mit Leuten zu tun haben von denen wir viel halten, tendieren wir dazu ihre Worte beziehungsweise ihre Meinung für bare Münze zu nehmen. Selbst die renommiertesten Wissenschaftler kennen zu ihren Themengebieten nicht alle Fakten. Natürlich können sie deutlich mehr Fakten in ihre Bewertung beziehungsweise Meinung einschließen, aber im Endeffekt bleibt es eine Meinung.

Die Sprache mit der wir uns die Welt erklären, sollte nicht mit der tatsächlichen Welt verwechselt werden. Wir nutzen Sprache um uns gegenseitig verschiedene Geschehnisse und Ereignisse zu erklären. Die Erklärung wird aber nie das tatsächliche Geschehnis sein.

Es ist außerdem extrem schwierig nicht voreingenommen über Ereignisse oder Ideen zu reden. Schließlich hat jeder einzelne Mensch persönliche Präferenzen, die bewusst oder unbewusst in unsere Erzählungen einfließen. Selbst neutrale Nachrichtensender berichten nicht in einer komplett objektiven Sicht. Zu bewerten über was berichtet werden soll, bedeutet bereits subjektiv zu entscheiden.

Kommen wir nun zum zweiten Teil des Zitates: „Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.“
So wie im ersten Zeil des Zitates das was andere Leute erzählen ihre persönliche Meinung ist, so ist auch die Welt wie wir sie sehen, von unserer eigenen Meinung beeinflusst.

Wurde man als Kind zum Beispiel von einem Hund gebissen, dann werden wir vermutlich in der Zukunft Hunden mit größerem Respekt behandeln oder sie ganz meiden. Das hat aber mit den einzelnen Hunden gar nichts zu tun, sondern lediglich mit der Erfahrung, die wir als Kind gesammelt haben.

Natürlich kann man das nicht nur auf Hunde anwenden. Jede Erfahrung die wir im Leben gemacht haben lässt uns die Welt mit anderen Augen sehen. Um die Welt wieder ein bisschen objektiver zu sehen, kann man versuchen, wenn man sich in seinem Alltag so umschaut, Dinge nicht in gut oder schlecht einzuordnen sondern sie einfach wahrzunehmen.

Wenn du also das nächste mal etwas erzählt bekommst, denke daran, dass es letztlich eine Meinung und keine Tatsache ist. Genau dem selben Prinzip entspricht es auch, wenn du das nächste mal etwas siehst – es ist nur deine eigene Perspektive.


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