Chuang Tzu über das Übersehen der Dinge auf die wir angewiesen sind

Es scheint plausibel, dass der Mensch viel Faszination den Dingen widmet die innerhalb des eigenen Horizonts liegen. Aber das heißt nun mal auch, dass wir viele andere Sachen übersehen. Das ist dem antiken chinesischen Philosoph Chuang Tzu bereits vor mehr als 2000 Jahren aufgefallen.

Folgendes Zitat behandelt genau diesen Umstand:

„Die Menschen ehren, was innerhalb ihres Wissensbereichs liegt, aber sie erkennen nicht, wie abhängig sie von dem sind, was jenseits davon liegt.“

Chuang Tse

Natürlich ist es leider etwas schwierig sich Dingen bewusst zu sein, die man nicht weiß. Aber das ist es auch nicht, was der Daoist sagte. Wenn wir die Aussage genau ansehen, stellen wir fest, dass er darauf aufmerksam macht, dass wir uns zu wenig bewusst machen, dass es so viel mehr gibt als das was uns bewusst ist und, dass wir immens auf diese Dinge außerhalb unseres Horizontes angewiesen sind.

Das klingt doch schon ganz anders und deutlich nachvollziehbarer, als es vielleicht beim ersten durchlesen des Zitates der Fall war.

Das Zitat gefällt mir unter anderem deshalb so gut, weil es ab diesen Punkt sehr viel Platz für Interpretation gibt:

Ist es gut dass wir so ticken?
Ist es schlecht?
Wie können wir es uns regelmäßig bewusst machen?
Und was haben wir davon?

Fangen wir drei nach an:

Ist es gut dass wir so ticken?

In gewissen Situationen denke ich ist es durchaus gut diese Tendenz zu haben. Grund ist dass wir uns so relativ gut auf unser Wissen und unsere Fertigkeiten konzentrieren können und so die Möglichkeit haben diese beiden Dinge gut einzusetzen.

Ist es schlecht?

In den meisten Situationen bin ich aber der Meinung, dass es schlecht ist sich nicht bewusst zu sein, das ist noch so viel mehr gibt das über unseren Horizont hinausgeht, aber wovon wir so stark abhängig sind.

Ich denke auch dass schon zu mit seinem Zitat in diese Richtung zeigen wollte. Um uns zu ermöglichen uns regelmäßig daran zu erinnern.

Tun wir das nicht haben wir folgende Probleme: der Geist wird zunehmend unbewegt und Träge, wenn wir uns nur in bekannten Fahrwassern bewegen.
Auch hilft es, eine gewisse Demut an den Tag zu legen, wenn man weiß, was man nicht weiß oder gemäß dem ebenfalls sehr bekannten Zitat, welches bereits Cicero verwendete: „Ich weiß dass ich nichts weiß.“, Über das Lukas bereits einen Artikel geschrieben hat).

Wie können wir es uns regelmäßig bewusst machen?

Die Liste der Möglichkeiten wie wir uns regelmäßig bewusst machen können, dass es unendlich viele Dinge gibt hinter unserem Horizont liegen, auf die wir aber angewiesen sind, ist ebenfalls unendlich. Okay, nicht unendlich, aber riesig.

Hier ein paar Beispiele:

  • Stelle dir einen wiederkehrenden Reminder im Smartphone ein.

  • Speicher dir diesen Pin:

  • Beschäftige dich regelmäßig mit neuem. Das ist mit Abstand die beste Variante, um auf ganz natürliche Weise immer wieder daran erinnert zu werden, dass es immer Dinge geben wird, die man nicht kennt.

Und was haben wir davon?

Sich regelmäßig daran zu erinnern, dass es Dinge hinter unserem eigenen Horizont gibt, kann es als Ansporn dienen mehr zu lernen. Ich bin der festen Überzeugung, dass es unerlässlich ist sich zu einem lebenslangen Lerner zu entwickeln. Es ist mittlerweile durch diverse Studien belegt, dass unser Gehirn die Tendenz hat zu degenerieren, sobald wir uns nicht neuen Reizen aussetzen. Stillstand ist hier gleichbedeutend mit Verfall. Und das sollten wir nicht so hinnehmen Punkt außerdem macht es unheimlich viel Spaß neue Dinge zu entdecken und immer weitere puzzlestücke des großen und ganzen zusammenzufügen – auch wenn wir nie alles wissen und verstehen werden.

Außerdem habe ich immer mehr den Eindruck, dass das Leben unfassbar viel reicher ist, wenn wir wieder lernen mit Wunder und Staunen zu füllen.


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