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Was die Philosophie von der Poesie lernen kann

Auf den ersten Blick mögen Philosophie und Poesie nicht viel gemeinsam haben, doch der erste Blick kann häufig täuschen. Eine Sache, die mir persönlich auffällt, wenn ich mich mit der Philosophie beschäftige, ist, dass viele Dinge, die auf den ersten Blick als zwei gänzlich verschiedene Dinge erscheinen, doch oft zusammen gehören. Wir als Menschen tendieren allerdings häufig dazu, die Welt in schwarz und weiß aufzuteilen, wir schaffen uns also selbst ein dualistisches Weltbild.

Das Thema des heutigen Artikels mag zwar nicht gänzlich verschieden klingen, da Philosophie und Poesie am Ende des Tages nur Ausdrücke der Sprache sind, doch unterscheiden sie sich in so mancher Hinsicht. Während die Philosophie meistens versucht, die der Sache unterliegende Wahrheit zu ergründen, versucht die Poesie die Sprache so zu biegen, dass sie die Tiefe der menschlichen Erfahrung wiedergeben kann.

Doch genau hier berühren sich die beiden Thematiken meiner Meinung nach. Denn die Wahrheit oder die Weisheit, welche die Philosophie zu ergründen versucht, ist schlussendlich stets an die Subjektivität des Philosophierenden und somit an seine Menschlichkeit gebunden.

Um dies an einem Beispiel zu verdeutlichen, stellen wir uns einfach einmal vor, dass wir an einem stürmischen Strand stehen. Jeder hat hierbei natürlich sofort ein Bild im Kopf. Das Gefühl, das man allerdings an einem stürmischen Strand spürt, ist jedoch nicht Teil dieser Erfahrung. Man könnte sagen, dass man das Gefühl zusätzlich beschreiben kann, dies würde sich dann wie folgt lesen. Stelle dir vor, du stehst an einem Strand, der starke Wind bläst dir kleine Wassertropfen ins Gesicht, deine gesamte Kleidung zittert und das Tosen der Wellen wird einzig von den stürmischen Böen begleitet. Wie man hier schön sieht, muss man einen ziemlich großen Aufwand betreiben, um möglichst viele Aspekte der Erfahrung niederschreiben oder erklären, um schlussendlich doch nur eine sehr oberflächliche Beschreibung der Situation zu erhalten.

Die Poesie schafft dies mit weniger Aufwand und dazu noch auf eine deutlich schönere Art und Weise. Du stehst am Strand, vor dir eine dunkle Wolkenwand, nun schaust du in den Sturm hinein, deine Existenz unbedeutend klein. Ich persönlich kann mich bei der poetischen Version deutlich besser hineinversetzen. Allerdings muss man hierbei ehrlich sagen, dass hier auch nur ein Teil der Erfahrung eines Sturmes an einem Strand geschildert wurde.

Diese oder ähnliche Problematiken sind auch schon anderen Philosophen aufgefallen, welche bemängelten, dass Sprache die Gedanken limitiert. Dies hat natürlich zur Folge, dass die Gedanken die wir weitergeben möchten auch limitiert sind. Zwei der wohl bekanntesten Vertreter waren Ludwig Wittgenstein und Friedrich Nietzsche.

Wittgenstein argumentierte in seinen späteren Werken, insbesondere in seinem Werk „Philosophische Untersuchungen“, dass Sprache bestimmte Grenzen hat und dass viele philosophische Probleme durch die unklare Verwendung von Sprache entstehen.

Nietzsche argumentierte in seinen Schriften, dass Sprache eine begrenzte und unvollkommene Möglichkeit ist, Gedanken auszudrücken, und dass viele tiefere Gedanken jenseits der Grenzen der Sprache liegen.

Schlussfolgernd lässt sich sagen, dass Poesie das schafft, woran die Philosophie oft scheitert, und zwar Gefühle zu vermitteln, die durch das bloße Verwenden von Sprache nicht weitergegeben werden können. Meiner Meinung nach sollte aus genau diesem Grund jeder der auch nur ein kleines philosophisches Interesse hat gelegentlich ein wenig Platz für Poesie in seinem Leben schaffen.

Wie ist deine Meinung zu diesem Thema? Siehst du es ähnlich wie ich, hältst du es eher mit Nietzsche und Wittgenstein oder hast du eine ganz eigene Meinung? Teile diese doch gerne mit uns in den Kommentaren.

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