Wieso uns Minimalismus schwerfällt


Nachdem ich das erste mal mit dem Rucksack durch Süd-Ost-Asien gereist bin, fiel mir auf, dass man nicht wirklich viel zum Leben braucht. Im Gegenteil, es fühlte sich sogar gut an sich nur um eine Handvoll Dinge kümmern zu müssen.

Hier bin ich (weisser Hut) mit meinem Rucksack in während einer acht-monatigen Reise.

Deshalb habe ich, als ich wieder zuhause ankam, viele meiner Besitztümer aussortiert. Und selbst jetzt Jahre später misse ich sie nicht. Aber einfach gefallen ist es mir nicht immer.

Aber wieso fällt uns Minimalismus oft schwer?

Generelle Schwierigkeiten mit Minimalismus

Die größte Schwierigkeit mit Minimalismus ist es zu starten. Da wir im Laufe unseres Lebens diverse Besitztümer ansammeln und uns mit ihnen identifizieren, fällt es uns oft schwer von ihnen los zu lassen und wagen oft den ersten Schritt nicht.

Dass wir uns mit Dingen identifizieren liegt im wesentlichen an zwei Faktoren:

  • Erinnerungen / emotionale Bindung
  • Gesellschaftliche Normen (Konsum + Prestige – „hast du was bist du was“)

Die Schwierigkeit die mit diesen beiden Umständen einhergehen sind nicht zu unterschätzen.

Eine weitere Schwierigkeit bezüglich eines minimalistischen Lebensstils ist es meiner Erfahrung nach, dass man lernen muss mit weniger auszukommen, was eine gewisse Umstellung von Gewohnheiten mit sich bringen kann – was uns bekanntlich nicht immer leicht fällt. Beispielsweise kann Minimalismus bedeuten, die Wäsche häufiger waschen zu müssen, weil man vielleicht nur sieben anstatt 27 T-Shirts hat.

Meine persönlichen Schwierigkeiten mit Minimalismus

Wie bereits erwähnt, haben wir zu den meisten Gegenständen, die wir besitzen häufig auch eine emotionale Bindung.

Zum Beispiel Spielzeug, das seit Jahren auf dem Dachboden rumliegt und man schon längst vergessen hat. Wenn man aber eben dieses aussortieren will, fällt es einem oft schwer diese Dinge weg zu schmeißen. Wenn man einen Gegenstand seid Jahren nicht in der Hand hatte und ihn dann wieder sieht kommen schnell die Erinnerungen hoch als man ihn eventuell geschenkt gekriegt oder gekauft hat.

Auch wenn wir es die letzten zehn Jahre nicht benutzt haben, beziehungsweise sogar teilweise vergessen haben, dass wir es besitzen. In solchen Situationen sachlich objektiv und rational zu bleiben ist nicht einfach.

Was mir bei solchen Entscheidungen dann hilft, ist mir vor Augen zu halten das diese Gegenstände, wenn ich sie weiterhin besitzen will, eh nur auf dem Dachboden rumliegen, sollte ich sie allerdings weitergeben, kann sich jemand anderes tatsächlich an ihnen erfreuen.

Ob es nun altes Spielzeug ist, ein altes Skateboard oder alte Klamotten. Der Gedanke das jemand anderes eine bessere Verwendung dafür, hat hilft mir oft die Sachen dann loszulassen.

Als ich anfing meine persönlichen Besitztümer auszusortieren, kam ich schnell zu dem Problem, das ich obwohl ich wenig besaß, auch kaum Lagerfläche für die Sachen hatte, die ich noch besaß.

Lass es mich so sagen, jeder Tisch, jedes Regal, jeder Schrank, der keine wichtige Funktion hatte, wurde aus meinem Zimmer entfernt.

Dadurch hatten die Gegenstände, die ich noch hatte weniger Platz verräumt zu werden.

Das wiederum führte, dass ich weiter Besitztümer aussortiert habe, da ich es nicht ab kann, wenn Sachen einfach nur rum liegen, ohne einen festen Ort zu haben.

Was brauche ich wirklich

Was mir wirklich die Augen geöffnet hat, ist mein Reisefreudiger Lebensstil. Nichts zeigt einem besser, dass man mit weniger Materiellen Besitztümern klar kommt, als eine Weile lang mit wenigen materiellen Besitztümern klar zu kommen. Wenn man für zwei Monate aus einem Kofferraum lebt, oder vier Monate aus einem Rucksack fällt einem schnell auf, dass die meisten Sachen, die man Zuhause rumfahren hat, zwar nett zu haben sind, aber nicht unbedingt notwendig.

Solange ich genug zum Anziehen habe, einen vollen Bauch und ab und an eine erfrischende Dusche sind die größten meiner tatsächlichen Bedürfnisse abgedeckt. Natürlich ist es schön wenn man nicht häufig waschen muss, allerdings ist es auch kein wirklicher Aufwand dies zu tun.

Wie viel man zum leben braucht muss jeder mit sich selbst ausmachen und ist für jeden Individuell an zu gehen. Was mir dabei geholfen hat rauszufinden was ich wirklich brauche ist beim aussortieren mit Gegenständen anzufangen die ich schon lange nicht mehr benutzt habe. Da eben diese Gegenstände schon lange nicht gebraucht wurden, kann ich mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass ich sie auch in Zukunft nicht mehr brauche.
Je mehr ich aussortiert habe und je weniger ich besaß desto leichter fiel es mir auch mehr Sachen los zu lassen.

Wenn man erstmal weiß, was man braucht, um für sich selbst zufrieden zu sein, hilft es uns auch dabei auszusortieren worauf wir nicht angewiesen sind.

Minimalismus und Ordnung

Da es in der Art der Natur liegt, dass Sachen, um die man sich nicht kümmert, zum Chaos tendieren. Dies ist keine persönliche Meinung, sondern ist schon im zweiten Satz der Thermodynamik niedergeschrieben. Es ist aber auch in alltäglichen Situationen zu beobachten.

Steckt man beispielsweise nicht aktiv Energie ins Aufräumen der Wohnung, so wird sie auf kurz oder lang chaotischer.

Schneiden wir nicht regelmäßig die Hecken und Sträucher im Garten so wird er wilder.

Rasieren wir uns nicht regelmäßig wird unser äußeres auch unordentlicher. Das soll aber nicht wertend gemeint sein da ich selbst lange Haare und einen Bart habe.

Wenn also alles dahin tendiert, dass es chaotischer wird, ist auch leicht zu schlussfolgern, dass je mehr Dinge wir besitzen, desto mehr Dinge unsere Aufmerksamkeit brauchen, um ein gewissen grad an Ordnung zu wahren.

Sprich je weniger wir besitzen, desto weniger Aufwand, beziehungsweise Energie, müssen wir in den Erhalt der Ordnung investieren und haben diese Energie, in für uns wichtigere Ereignisse zu investieren.

In diesem Zusammenhang kann man die gesparte Energie auch als Zeit sehen. Da es, die Ordnung in all diesen Sachen zu erhalten, natürlich auch eine menge Zeit in Anspruch nimmt.

Für mich ist allein der Aspekt mehr Zeit zur Verfügung zu haben die meisten Schwierigkeiten des Minimalismus wert. Denn Zeit ist eine linear abnehmende Konstante in unserem Leben, Besitztümer nicht.


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