Der Ursprung des Herrn der Ringe: Plato’s Zauberring als Metapher für Gerechtigkeit


Tolkiens‘ Fantasy-Universum rund um den Ring der macht erhält seit der Amazon Serie „Rings of Power“ wieder mächtig Aufmerksamkeit, aber was die wenigsten Wissen ist, dass es bereits in der Antike eine Erzählung über einen unsichtbar machenden Zauberring gab.

Dieser Artikel ist für „Herr der Ringe“-Fans (wie Simon und mich), für Philosophie-Begeisterte (wie Simon und mich) und für alle anderen interessierten. Viel Spaß!

Also: was ist das für eine Erzählung und woher kommt sie?

Sie stammt von Plato. Ja, DEM Plato, den legendären Philosophen, der auch über Atlantis berichtete.

Plato erzählt in Buch Zwei von „Der Saat“ die Geschichte vom Ring des Gyges. Auch wenn die Geschichte viele Ähnlichkeiten mit J.R.R. Tolkiens Werk „Der Herr der Ringe“ hat, ist sie deutlich älter (2000 Jahre älter um genau zu sein). Hinzu kommt, dass im Gegensatz zu Tolkiens Werk die Geschichte vom Ring des Gyges keine Heldensage ist.

Plato’s Erzählung dient als Metapher, um zu verstehen aus welchen Beweggründen Menschen gerecht sind. Liegt es daran, dass wir einen inneren Sinn für Gerechtigkeit haben oder ist es einfach der Umstand, dass Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft hoch angesehen ist?

Hier die Zusammenfassung vom Ring des Gyges

In der Geschichte geht es um einen Hirten, der das Grab eines Riesen findet. Im Grab findet er einen Ring, welchen er mit sich nimmt. Am Abend als er wieder mit den anderen Hirten zusammen am Feuer sitzt, spielt er mit dem Ring und wird plötzlich unsichtbar, als er einen eingefassten Stein drehte. Als er merkte, welche Macht ihm dieser Ring gab, dauerte es nicht mehr lange, bis er sich in den königlichen Palast schlich. Dort angekommen verführte er die Königin und überredete sie dazu, ihren Mann zu verraten. Die Geschichte endet damit, dass der ehemalige Hirte der neue König wird.

Glaucon, der Bruder von Plato, erzählte diese Geschichte Socrates, um seinen Punkt zu untermauern, dass der Mensch nur gerecht ist, weil es von der Gesellschaft erwartet wird. Sobald man aber die Fähigkeit hat all seine finsteren Wünsche ohne Konsequenzen umzusetzen, so zeigt sich das wahre Gesicht des Menschen. Der Mensch mag dies möglicherweise nicht einmal aus einer Boshaftigkeit heraus tun, sondern lediglich um persönliche Vorteile zu erlangen.

Um sein Argument zu stützen, unterteilt er alle erstrebenswerten Dinge in drei Klassen:

Die erste Klasse sind Dinge, die wir um ihrer selbst begehren. Beispiele hierfür wären Essen, Trinken oder andere harmlose Vergnügen.

Die zweite Klasse sind Dinge, die wir begehren weil sie einen gewissen Status mit sich bringen. Alles was Prestige verleiht fällt in diese Kategorie, also beispielsweise Sportlichkeit oder Medizinkenntnisse.

Die dritte Klasse ist eine Mischung aus den ersten beiden. Es sind Dinge, die wir begehren wegen ihrer selbst und den Mehrwert den sie bringen so wie beispielsweise Wissen und Gesundheit.

Glaucon sagt, dass Gerechtigkeit zur zweiten Klasse gehört. Denn es handelt sich hier um eine Bürde, welche aber Ansehen mit sich bringen. Der einzige Grund weshalb sich Menschen als tugendhaft sehen sind äußere Einflüsse. Es geht also eher darum Tugendhaft auszusehen, als wirklich Tugendhaft zu sein.

Socrates ist anderer Meinung. Er sagt, dass Gerechtigkeit zur dritten Klasse gehört, da es äußere, wie innere Vorteile durch gerechtes Handeln gibt.

Socrates argumentiert nun gegen Glaucon. Er behauptet, dass die menschliche Seele aus drei Teilen besteht. Verstand, Geist und Begierde. Der Verstand führt das Individuum zu Wahrheit und Wissen. Hierbei wird der Verstand entweder vom Geist oder von der Begierde beeinflusst. Der Geist ist rechtschaffend, ehrgeizig und die Quelle von rechtschaffendem Handeln. Begierde hingegen besteht aus grundlegenderen körperlichen Bedürfnissen.

Für Socrates sollte ein Philosoph vom Verstand geführt werden und der Geist sollte die Begierde im Zaum halten. Nur so könne man gerecht und glücklich handeln. Selbst wenn es keine Konsequenzen für böses Handeln gäbe, wie in der Sage des Ringes von Gyges, würde ein guter Mensch nicht so handeln. Der Tyrann, in diesem Fall der Hirte aus der Geschichte, erliegt seiner Begierde und handelt ungerecht. Auch wenn der Hirte seine Wünsche erfüllt hat, so ist dennoch seine Seele in einem Ungleichgewicht. Somit ist er ein Sklave seiner eigenen grundlegenden körperlichen Bedürfnisse. Dies wäre nicht der Fall, wenn er sich hätte von seinem Verstand leiten lassen.

Aus eben dieser Begründung geht hervor, dass obwohl der Hirte alles gekriegt hat was er sich erwünschte, er dennoch auch als Herrscher nicht glücklich sein würde.

Was ist deine Meinung zu diesem Thema? Glaubst du, wir als Menschen sind nur gerecht, weil wir nicht in der Lage sind unsichtbar zu sein. Weil die Gesellschaft uns vorgibt, dass gerecht zu handeln etwas Gutes ist? Wärst du als König glücklich wenn du den Thron auf eine derart unmoralische Art und Weise erklommen hättest?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Neueste

de_DEDE