Wieso Musashi lehrte keine Vorlieben zu haben (Zitat-Erläuterung)


Miyamoto Musashi, der Schwertmeister und Begründer der Schule „von den zwei Himmeln“ (jap. 二天一流, Niten Ichiryū), hielt in seinen Schriften an diversen Stellen fest, dass es entscheidend sei keine Präferenzen zu haben. Nur so könne man im Kampf Erfolg haben.

Interpretation des Miyamoto Musashi von Utagawa Kuniyoshi

Eine Beispiel hierfür ist das folgendes Zitat aus dem Gorin-No-Sho (Das Buch der fünf Ringe):

„In allen Dingen habe ich keine Vorlieben.“

– Miyamoto Musashi

Musashi erläutert, dass keine der gängigen Kampfarten abzulehnen sei. Das schloss nicht nur der Kampf mit dem Lang- und Kurzschwert sowie deren unterschiedliche Haltungen mit ein, sondern auch andere Waffengattungen, wie Stab, Speer, Bogen und sogar die neu aufkommende Muskete.

Was für den im 16ten und 17ten Jahrhundert lebenden Samurai ein wichtiges Leitbild war, dass ihm Erfolg im Kampf einbrachte und zur Legende werden ließ, hat er jedoch erst im späteren Verlauf seines Lebens (1584-1645) auf andere Bereiche ausgeweitet. So hat er sich beispielsweise auch mit Philosophie, Gedichten und auch dem Zeichnen, Kalligraphie und Handwerk beschäftigt.

Kobokumeikakuzu („Der Würger auf dem verdorrten Ast“): Gemälde von Miyamoto Musashi

Da du vermutlich kein traditioneller Samurai bist (aber wer weiß), werden wir uns nun anschauen, wie du dieses Zitat für dein leben nutzen kannst.

Anwendung in der heutigen Zeit

Der Punkt, in dem ich es als erstes bewusst schaffte keine Vorlieben zu haben, war beim Wetter beziehungsweise bei Jahreszeiten. Das mag zwar banal klingen, aber tatsächlich haben viele Leute eine starke Präferenz für bestimmte Jahreszeiten – und entsprechend oft eine ablehnende Haltung gegenüber anderen.

Vielleicht kennst du Leute die den Winter nicht mögen, oder vielleicht magst du ihn selbst nicht. Da diese Jahreszeit aber nicht zu verhindern ist, bringt man sich dadurch in eine Lage, in der man stets ein gewisses Maß an Negativität empfindet und das über einen langen Zeitraum hinweg. Jahr für Jahr.

Es gibt im Grunde zwei Möglichkeiten, wie man das verhindern kann:

  • Ziehe in eine Region in der die Jahreszeit nicht sehr ausgeprägt ist
  • Ändere deine innere Einstellung gegenüber der Jahreszeit

Ich möchte nicht sagen, dass die erste Option völlig abwegig ist, aber sie wird in den seltensten Fällen gewählt.

Streng genommen, die zweite aber auch nicht. Meist bleibt es bei der zuvor beschriebenen Unzufriedenheit – obwohl es eine wertvolle Lektion sein kann, zu lernen alle Jahreszeiten gleichermaßen zu schätzen (eine Lektion die sich auf allerlei andere Bereiche übertragen lässt). Ganz zu schweigen davon, dass es die innere Zufriedenheit enorm erhöht.

Ein weiteres gutes Beispiel ist Regen. Er hat einen schlechten Ruf und verdirbt regelmäßig einem großen Teil der Bevölkerung die Laune.

Das ist nicht besonders ideal, da wir keinen Einfluss auf das Wetter oder die Jahreszeiten haben und somit das Ruder für unsere Stimmung aus der Hand geben und uns dem Roulette äußerer Einflüsse unterwerfen.

In der Psychologie würde man sagen, man lässt sich von extrinsischen Faktoren bestimmen.

Schafft man es aber jede Jahreszeit oder jede Wetterlage als gleichermaßen wertvoll anzusehen, lässt sich dieses Problem eliminieren.

Für die Jahreszeiten habe ich daher nach schönen Eigenschaften für jede Jahreszeit und Wetterlage gesucht und empfehle dir das auch zu tun.

Das könnte zum Beispiel so aussehen:

  • Frühling: freu dich auf das mildes Klima und das Erwachen der Natur (mehr Gezwitscher durch die Rückkehr vieler Vogelarten nach dem Winter, das Aufblühen von Blumen, usw.), statt dich über das oft noch unbeständige Wetter zu ärgern.
  • Sommer: genieße schöne lange Sommerabende, die Möglichkeit für viele Unternehmungen im Freien und angenehme Badetemperaturen, anstatt dich über die sengende Mittagshitze zu beschweren (der man übrigens mit einem Buch unter einem Baum recht gut entgehen kann).
  • Herbst: lasse das bunte Farbspektakel sowie das Rascheln der Blätter auf dich wirken und störe dich nicht am häufigen Nebel, sondern nimm ihn zum Anlass es dir gemütlich zu machen.
  • Winter: freue dich am Schnee solange er frisch gefallen ist und versteife dich nicht auf den matschigen Brei, der am Straßenrand liegt. Genieße auch dass in der Welt etwas mehr Ruhe einkehrt und du die klirrende Kälte mit einem Heißgetränk besonders genießen kannst.

Das sind nur einige Beispiele, aber sie konnten dir vielleicht einen gewissen Anstoß geben, weitere Punkte zu finden.

Du siehst, dass durch die Eliminierung einer Vorliebe für eine bestimmte Sache, plötzlich alles seinen Reiz hat. Statt nur an einem Viertel des Ganzen Freude zu haben, lassen sich nun alle vier Teile genießen.

Ich im eisigen Schneeregen in Norwegen

Diese Übung kannst du auf alle Bereiche anwenden:

Du hast eine repetitive Aufgabe, die du regelmäßig auf Arbeit erledigen musst? Vielleicht ist das genau die Zeit auf Arbeit während der du einen Podcast hören kannst, weil du dich nicht sonderlich konzentrieren musst oder vielleicht kannst du genau hier einfach ein bisschen vor dich hinträumen und deine innere Batterie wieder laden, anstatt dich zu ärgern, dass diese Aufgabe nervig ist.

Du musst regelmäßig mit schwierigen Kunden ins Gespräch gehen worauf du nicht sonderlich Lust hast? Versuche vielleicht ein Spiel daraus zu machen, bei dem du deine Kommunikationsfertigkeiten verbessern kannst und lasse dich nicht von den Meckereien der Kunden runterziehen. Und die aufgewendete Energie kannst du vielleicht bei einer zuvor beschriebenen langweiligen Aufgabe wieder auftanken.

Ich kann dir aus persönlicher Erfahrung sagen, dass dieses Zitat die Möglichkeit hat deinen Alltag äußerst positiv zu beeinflussen, aber…

Limitierungen dieses Zitats

Wir sollten dennoch nicht vergessen, dass dieses Zitat nicht blind auf alles angewandt werden sollte.

Wenn du deine absolute Berufung gefunden hast, solltest du dich darauf konzentrieren dich dieser auch voll zu widmen und nicht anderen Beschäftigungen nachzugehen (z.B. nur weil diese besser bezahlt sind).

Außerdem hat selbst Miyamoto Musashi Präferenzen in bestimmten Dingen gehabt. So hat er beispielsweise den Großteil seines Lebens dem Streben nach Perfektion im Schwertkampf gewidmet. Er wusste es wäre illusorisch zu glauben er können sich gleichermaßen allen Bereichen widmen.

Falls es dich interessiert, wie du deine persönliche und ideale Schnittmenge findest, aus dem was du gerne machst, was die Welt braucht, was du gut kannst und was dir Geld einbringt kannst du meinen Artikel über Ikigai lesen. Ikigai ist der Begriff für die Balance zwischen diesen Bereichen und führt zu starker innerer Zufriedenheit.

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