Die Problematik einer stets wachsenden Wirtschaft


Neulich hatte ich beim mittäglichen Kaffee mit meinem Mitbewohner das Thema, dass das Wachstum der Wirtschaft schlecht für die Welt, beziehungsweise das Klima so wie die Biodiversität ist. Auch wenn wir nicht wirklich tiefer auf das Thema eingegangen sind, so ist es doch die kommenden Tage immer wieder in meinem Kopf aufgetaucht. Immer wieder fielen mir Aussagen oder Vergleiche ein, welche ich für zu interessant hielt um sie nicht zu teilen. In diesem Beitrag werden wir uns diese genauer anschauen.

Das oberste Ziel einer jeden Wirtschaft ist wie bereits erwähnt das Wachstum. Denn sollte die Wirtschaft stagnieren oder sogar rückläufig werden, so wird weniger Gewinn erzielt. Doch jeder der sich schon einmal mit Pflanzen, Tieren oder Menschen beschäftigt hat wird wissen, dass es schlicht weg nicht möglich ist unendlich zu wachsen. Nirgendwo gibt es einen zehn Meter großen Menschen oder einen 500 Meter hohen Baum. Auch wenn man sich mit Architektur beschäftig, fällt einem auf, das es schlichtweg nicht möglich ist, ein Gebäude beliebig groß zu gestalten. Ab einem gewissen Punkt, spielt einem die Physik einen Streich. Auch im Ingenieurswesen gibt es Limits: die Größe eines Bootes oder eines Flugzeuges sind mit aktueller Technik limitiert.

Hinzu kom, dass alle Dinge ob Haus, Pflanze, Tier und so weiter, ab einer gewissen Größe schlicht unbrauchbar werden. Ein Affe von fünf Tonnen kann auf keinem Baum klettern, ein Mensch mit acht Metern könnte in unserer Welt kaum etwas tun, da er nirgendwo hinein passt, ein Containerschiff von einem Kilometer länge passt in keinen Hafen. Es ist als gut, dass Dinge nicht endlos wachsen. Weshalb gehen wir also davon aus, dass eine endlos große Wirtschaft etwas erstrebenswertes ist? Die bloße Buchhaltung einer grenzenlos fortlaufenden Wirtschaft wäre ebenfalls grenzenlos fortlaufend.

Bereits vor über 2000 Jahren erklärte Laotse wie wichtig es ist zu wissen wann genug, genug ist. Auch Epiktet der vor 1900 Jahren lebte sagte „Reichtum besteht nicht darin, viel zu besitzen, sondern wenig zu brauchen.“ Doch die Gier des modernen Menschen scheint das nicht zu berücksichtigen. Mehr scheint hier immer besser, als weniger zu sein.

Der moderne Mensch versucht einfach alles, was im inneren Fehlt durch äußere Einflüsse zu füllen. Hierbei ist eine stets wachsende Wirtschaft natürlich von Vorteil, denn mehr Produziertes, kann mehr Löcher füllen. Dieses Füllen der Löcher, hält meistens aber nicht sonderlich lange an, was dazu führt das mehr konsumiert werden muss. Miyamoto Musashi wusste, dass man keine Erfüllung außerhalb seiner selbst erlangen wird.

Während ich über das endlos Wachstum der Welt grübelte, fiel mir eine weitere Ähnlichkeit zum Wachstum der Pflanzen auf. Damit Pflanze, Tier und Mensch wachsen, bedarf es Nahrung oder Nährstoffe. Auch unsere Wirtschaft wächst nicht aus Fleiß allein. Natürlich ist Innovation eine große Triebkraft in der Wirtschaft, doch auch diese kommt nicht ohne „Nährstoffe“ zurecht. Denn ohne Energie, Mineralien, Erze, Holz, Sand, Stein oder sonst was, gibt es auch keine Innovation. Natürlich hilft der Fortschritt der Wissenschaft dabei, dass wir immer weniger der Ressourcen brauchen und energieeffizienter arbeiten, doch wird die Wirtschaft nie ohne Ressourcen auskommen.

Natürlich ist, dass wir Ressourcen brauchen um Dinge zu erzeugen, nichts schlechtes, schließlich will jeder ein warmes bequemes Zuhause. Doch es gibt einen Haken an der Sachen. So wie wir die meisten unserer Ackerflächen mit Monokulturen zupflastern und so den Böden jeglicher Nährstoffe berauben, so kann man auch unsere Wirtschaft als Monokultur sehen. Jeder will ständig die neusten technischen Gadgets in denen Cobalt, Lithium und andere seltenen Erden verbaut werden. Von der Vape über das Handy bis hin zum E-Scooter, wir nutzen überall fast ausschließlich die gleichen Stoffe, brechen unsere Erde auf, um an sie heranzukommen und zwingen Menschen unter unwürdigen Bedingungen in Minen zu arbeiten. Hinzu kommt, dass wir diese seltenen Erden, wenn schon einmal bereinigt und verbaut, nach dem wegschmeißen nicht einmal vernünftig recyclen, was dafür sorgt, dass wir noch schneller und noch mehr dieser Elemente fördern. Da überall dann auch die gleichen Dinge beworben werden, wollen alle Menschen überall diese Dinge, was die Nachfrage logischerweise weiter wachsen lässt und zu mehr Verschwendung dieser Materialien führt. Denn der Mensch kauft häufig etwas, weil er denkt er braucht es, um es dann wenige Tage oder Wochen später im Schrank staub fangen zu lassen.

Wenn meine Überzeugung auch zu einer Seite tendieren mag, so ist wie alles in der Welt auch dieses Thema nicht so schwarz und weiß, wie man vielleicht glauben mag. Doch glaube ich aus tiefster Überzeugung, dass die Art wie wir die Wirtschaft und ihren Wachstum über alles stellen, nicht die schlauste Art ist unsere Zukunft zu formen.

Ich ermutige uns alle, unabhängig von unseren Überzeugungen, die grundlegenden Narrative unserer Welt zu hinterfragen, vergangene Entwicklungen mit aktuellen Problemen zu verbinden und keine Angst vor kontroversen Themen zu haben.

Dr. Yuval Noah Harari

Ich denke dieses Zitat von Dr. Yuval Noah Harari trifft den Nagel auf den Kopf. Es bedarf einem ständigen Dialog und guter Überlegungen wie es mit uns, der Zukunft und der Wirtschaft weitergehen soll. Wir sollten nicht darauf beharren, dass wir wie gehabt fortfahren. Allerdings soll dies auch kein Aufruf sein, alles was wir als Menschheit bisher erreicht haben über Bord zu werfen und wieder wie Wilde im Wald zu leben. Es bedarf smarter Innovationen aber auch mehr Achtsamkeit und eine Sensibilisierung innerhalb der Bevölkerung. Es sollten andere Lebensstile, als nur die der Superreichen ikonisiert werden. Ein gutes Leben bedarf keiner fünf Autos und Yachten. Viele haben schlicht vergessen, wie man lebt oder ein gutes Leben führt. Was nützt einem beispielsweise alles Geld der Welt wenn man niemanden hat um es zu teilen, was nützt einem ein 500.000€ Auto wenn man keine Zeit hat es zu fahren?

Abschließen würde ich gerne mit ein paar Worten des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi: „Alle wollen die Welt verändern, aber keiner sich selbst.“ Denn wenn wir das Leben aller Erdenbürger ändern, tut es sich die Wirtschaft unweigerlich auch.

Gerne würde ich deine Meinung zu diesem so spannenden und aktuellen Thema hören. Schreibe uns doch einfach deine Sicht der Dinge in die Kommentare, damit wir uns gegenseitig andere Perspektiven eröffnen können.

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